Ölmarkt-Analyse April 2018

Gepostet am 24. Apr. 2018 in News

Als die OPEC gemeinsam mit anderen Nicht-OPEC-Ländern, darunter Russland als wichtigster Vertreter und derzeit (noch) größter Ölförder der Welt, Ende des Jahres 2016 das mittlerweile so viel zitierte Förderabkommen ins Leben gerufen hat, war es Ziel, die Rohölpreise auf ein Niveau von rund 60 Dollar pro Barrel zu stabilisieren.

Doch anscheinend hat das Kartell Blut geleckt und bislang sieht es nicht danach aus, als dass das Abkommen überarbeitet, ausgesetzt oder gar vorzeitig beendet werden soll.
Ganz im Gegenteil – die Quotentreue lag per März wieder bei knapp 150 Prozent, was sich weiter in einer rückläufigen Entwicklung der OECD-Bestände niederschlägt.
Auch in den USA sind die Ölvorräte zuletzt wieder deutlich zurückgegangen, auch wenn die Schieferölförderung hier immer weiter ausgebaut wird.
Etwas unfreiwillig trägt  Venezuela einen gewissen Teil dazu bei, den hier fällt die Ölförderung seit längerer Zeit permanent ab, was mit innerpolitischen Faktoren zusammenhängt.
Das Problem liegt aber eben auch auf der Nachfrageseite!
In den Monatsreports von EIA, OPEC und IEA wurden die Prognosen zum globalen Ölverbrauch seit Beginn des Jahres ständig nach oben angepasst, während das Angebot hier einfach nicht mehr Schritt halten kann.
Der Ölmarkt ist physisch derzeit klar unterversorgt!
Zudem nehmen die politischen Unsicherheiten immer mehr zu.
Der Konflikt in Syrien, das drohende Ende des Atom-Abkommens mit dem Iran und der Stellvertreterkrieg zwischen Saudi-Arabien und dem Iran sind Themen, die sich auf der Angebotsseite schnell negativ auswirken könnten.
Das wird an der Börse entsprechend mit einem Risikoaufschlag eingepreist.
Dies war im gegengesetzten Sinn auch beim Thema Strafzölle der Fall. Mittlerweile gibt es hier aber versöhnliche Töne aus China und den USA, sodass die Gefahr eines Handelskrieges zwischen den größten Wirtschaftsnationen der Welt vorerst gebannt zu sein scheint.
Auch das wirkt sich derzeit entsprechend preistreibend an den Ölbörsen aus, denn eine Eskalation hätte sicherlich beträchtliche Auswirkungen auf die globale Wirtschaftsentwicklung und somit die weltweite Ölnachfrage gehabt. In den letzten Wochen wurde dies am Markt noch entsprechend preisdrückend und mit einem entsprechenden Abschlag bewertet.
Das nächste brisante Thema, das Anfang/Mitte Mai auf der Agenda stehen wird, dürfte das Thema Atomabkommen sein. Da US-Präsident Trump eine harte Gangart angekündigt hat, dürfte es für die Diplomaten schwierig werden, hier eine für beide Seiten akzeptable Lösung zu finden.
Sollte das Abkommen gekippt werden, drohen dem Iran Sanktionen, die das Ölangebot weiter verringern könnten.
Daher sehen wir nach wie vor wenig Spielraum nach unten und es ist durchaus möglich, dass die Rohölpreise auch noch die 80-Dollar-Marke testen werden.
Darüber hinaus dürfte die Luft aber dünn werden!

 

+ preistreibende Faktoren    
  • OPEC-Förderabkommen
  • Atom-Abkommen mit den Iran auf der Kippe
  • geopolitische Risiken
  • zuletzt gefallene US-Ölbestände
  • starkes globales Ölnachfragewachstum

 

– preisdrückende Faktoren

  • Boom der US-Schieferölindustrie
  • permanente Steigerung der Energieeffizienz
  • Elektrifizierung des Straßenverkehrs