Ölmarkt-Analyse Februar 2018

Gepostet am 20. Feb. 2018 in News

Seit Mitte letzten Jahres kannten die Ölpreise an den internationalen Warenterminmärkten bis vor kurzem scheinbar nur noch den Weg nach oben. Preisdrückende Meldungen wurden weitgehend ignoriert und bullishe Nachrichten sofort in steigende Kurse umgewandelt.

Dass der Ölmarkt nach einem Anstieg von gut 50 Prozent überällig für eine Korrektur war, haben wir bereits in der letzten Ausgabe unseres Newsletters thematisiert.

Dass diese dann aber doch schon Ende Januar einsetzen würde, hatten wir vor rund vier Wochen noch nicht erwartet.
Die bullish zu wertenden Meldungen blieben in letzter Zeit jedoch eher aus, gewichtige preisdrückende Nachrichten nahmen hingegen zu und mit der Korrektur der Aktienmärkte ging es dann auch am Ölmarkt in den letzten Wochen deutlich bergab .
Einer der Hauptauslöser war sicherlich die zuletzt überraschend deutlich gestiegene Zahl der aktiven US-Bohranlagen , die für die nahe Zukunft erwarten lässt, dass die USA wohl schon bald größter Ölexporteuer der Welt sein wird.
Aber auch die US-Ölbestände sind in den letzten Wochen permanent angestiegen , sodass man davon ausgehen kann, dass der Markt derzeit, trotz der nach wie vor sehr robusten globalen Nachfrage, mehr als ausreichend versorgt ist.
Abgesehen davon gibt es in einigen OPEC-Ländern neuerdings wieder Bestrebungen, die Exportmengen zu erhöhen.
Vor allem Nigeria und Libyen, die vom Förderabkommen lange Zeit ausgenommen waren, haben die Absicht geäußert, ihre Produktion deutlich zu steigern, was nicht nur den Druck auf den Ölmarkt, sondern auch auf die OPEC erhöhen würde.
Eine Duldung könnte als falsches Signal gewertet werden und Begehrlichkeiten anderer Teilnehmer des Förderabkommens wecken. Vor allem der Iran, aber auch der Irak und Russland könnten ausscheren und die derzeit bis Ende des Jahres verabschiedete Regelung in Gefahr bringen.
Derzeit scheint die Förderdisziplin der am Abkommen beteiligten Länder aber immer noch recht hoch zu sein und Saudi Arabien sprach sich erst kürzlich sogar schon für eine Fortführung über das Jahr 2018 hinaus aus, was derzeit aber kaum Zustimmung findet.
Erfreulicherweise gibt es derzeit kaum politische Einflüsse auf den Ölmarkt, was sich aber natürlich schnell wieder ändern kann. Vor allem zwischen Israel und dem Iran verschärfte sich die Tonlage in letzter Zeit deutlich.
Wir gehen unter Berücksichtigung dieser Faktoren davon aus, dass der Ölmarkt auch in den nächsten Wochen weiter leicht unter Druck bleiben wird , erwarten jedoch keinen größeren Einbruch.
Die Nachfrage nach Öl und Ölprodukten ist aufgrund der guten globalen Konjunkturentwicklung derzeit einfach zu robust.

 

+ preistreibende Faktoren                
  • OPEC-Förderabkommen
  • Instabile Lage im Nahen Osten
  • starkes globales Ölnachfragewachstum

– preisdrückende Faktoren

  • Boom der US-Schieferölindustrie
  • zuletzt deutlich gestiegene US-Ölbestände
  • permanente Steigerung der Energieeffizienz
  • Elektrifizierung des Straßenverkehrs