Ölmarkt-Analyse Juni 2018

Gepostet am 26. Jun. 2018 in News

as am vergangenen Freitag in Wien mit Spannung erwartete OPEC-Treffen, brachte zumindest aus Verbrauchersicht sicherlich nicht unbedingt das erhoffte Ergebnis.

Während im Vorfeld darüber spekuliert wurde, dass das Kartell die Fördermenge um eine Million Barrel pro Tag erhöhen könnte, kam am Schluss nur die von vielen Analysten erwartete Minimallösung von 0,6 Millionen Fass heraus.
Dabei musste das Förderabkommen von Ende 2016 formal nicht einmal verändert werden, sondern es wurde lediglich beschlossen, dieses künftig zu hundert Prozent umzusetzen .
In den letzten Monaten kam es nämlich zu einer Erfüllungsquote von meist über 150 Prozent , da einige Länder ihre zugeteilten Mengen nicht einhalten konnten oder wollten. Vor allem das krisengeschüttelte Venezuela lag zuletzt weit unterhalb des zugeteilten Kontingents.
Künftig sollen aber andere Mitgliedsländer diese Untererfüllungen ausgleichen!
Dass es nicht zu einer stärkeren Ausweitung der Förderung kommen konnte, lag wohl in erster Linie an der Verweigerung des Iran . Teheran hatte im Vorfeld die OPEC-Kollegen zur Solidarität aufgerufen, die Sanktionspolitik der USA nicht zu unterstützen und gleichzeitig klar gemacht, dass man einer deutlichen Erhöhung nicht zustimmen werde.
Die USA hatte ja die ausgesetzen Sanktionen gegen den Iran wieder in Kraft gesetzt und im Vorfeld ihrerseits die OPEC-Länder aufgerufen, die in Folge fehlenden Mengen auszugleichen.
Der Beschluss ist daher als Kompromiss zu sehen und war wohl das derzeit maximal Erreichbare.
An den internationalen Ölmärkten reagierte man relativ verhalten auf die Neuigkeiten aus Wien und es ist durchaus damit zu rechnen, dass sich beim Rohölpreis, am breit angelegten Seitwärtstrend der letzten zehn Wochen, auch künftig wenig ändern wird.
Auch wenn die zusätzlich auf den Markt kommenden Mengen sicherlich dazu beitragen werden, die derzeit knappe Versorgungslage etwas zu verbessern, ist man von einem deutlichen Überangebot auch in den nächsten Wochen und Monaten weit entfernt.
Saisonell ist im zweiten Halbjahr immer mit einem Anstieg der globalen Ölnachfrage zu rechnen und so sehen viele Analysten den Markt in nächster Zeit ausgeglichen, bestenfalls leicht überversorgt.
Risiken auf der Angebotsseite , wie beispielsweise die derzeitigen und auch künftig möglichen Exportausfälle aus Libyen oder den Beginn der Hurrikan-Saison im Golf von Mexiko, gilt es ensprechend zu berücksichtigen.
Unsicherheiten gibt es derzeit aber durchaus auch auf der Nachfrageseite . US-Präsident Trump lässt sich in seiner Wirtschaftspolitik nicht beirren und verhängt immer neue Strafzölle gegen die EU und China, die diesen wiederum mit Gegenzöllen begegnen.
Sollte es hier nicht bald zu einem Ende kommen, ist ein globaler Handelskrieg nicht mehr zu stoppen und darunter würde natürlich die Wirtschaftsentwicklung stark leiden. Eine Folge wäre dabei sicherlich auch ein Rückgang der weltweiten Ölnachfrage!

Dies dürfte sich aber eher wohl mittelfristig auswirken und noch besteht ja die Chance, wieder an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

 

+ preistreibende Faktoren     
  • OPEC-Förderabkommen wird beibehalten
  • Sanktionen gegen den Iran
  • Venezuela in der Krise
  • geopolitische Risiken
  • starkes globales Ölnachfragewachstum

 

– preisdrückende Faktoren         

  • Drohender Handelskrieg
  • Boom der US-Schieferölindustrie
  • permanente Steigerung der Energieeffizienz
  • Elektrifizierung des Straßenverkehrs