Heizöl-Weblog Archiv August 2008


FastEnergy Geschäftsführer Josef Weichslberger mit 20 Jahren Erfahrung in der Mineralölbranche macht sich seine persönliche Gedanken zum Heizöl-Markt.

 

Mittwoch, 27. August 2008

Einfluss des Dollarkurses auf die Heizöl- und Benzinpreise

Immer wieder taucht vor allem in Phasen fallender Märkte die Frage auf, warum die Rohölpreise oftmals stärker fallen als die Heizöl- oder auch Benzinpreise.

Dazu muss zunächst berücksichtigt werden, dass in den Heizöl- und Benzinpreisen ein erheblicher Steueranteil steckt, der Rohöl-Preisveränderungen prozentual gesehen grundsätzlich unterproportional auf Heizöl und Kraftstoffe wirken lässt.

Ein erheblicher Faktor ist hier aber auch der Dollarkurs!

Hierzu eine ebenso ausführliche und fundierte, wie interessante Ausarbeitung unseres Partnerhändlers Erich Doetsch Mineralölhandels KG:

Am 12.07.2008 notierte Rohöl mit 146 Dollar/Barrel in Rotterdam auf einem Allzeit-Hoch. Zur gleichen Zeit war der Dollar nur 0,63 € wert. Da Rohöl in Dollar bezahlt wird, müssen wir diesen auch aus europäischer Sicht immer im Auge behalten, wenn wir die zukünftige Entwicklung des Heizöl- und Tankstellenpreises beurteilen wollen.

Hierzu folgende Berechnung:
Der Rohölpreis betrug am 12.07.2008 146 Dollar, umgerechnet in Euro bei einem Kurs von 0,63 € ergibt sich ein Rohölfasspreis von 92 €. Ein Fass hat 159 Liter, sodass der reine Rohölpreis 58 Cent pro Liter betrug. Am 15.08.2008 kostete Rohöl nur noch 111 Dollar. Allerdings lag zur gleichen Zeit der Dollarkurs bei 0,67 € mit der Folge, dass ein Barrel 74 € kostete. Pro Liter ergab sich ein Preis von 47 Cent. Wäre der Wert des Dollars zum Euro gleich hoch wie am 12.07.2008 geblieben, so wäre der Produktpreis pro Liter Rohöl auf 44 Cent gesunken. Am 26.08.2008 notierte Rohöl mit 114 Dollar das Barrel. Die Rohölpreise waren seit dem 12.07.2008 um 22 % gefallen. Am 26.08.2008 notierte der Dollar-Eurowechselkurs mit 0,68 €, und dies ergab umgerechnet pro Liter Rohöl einen Preis von 49 Cent.

In den vergangenen Jahren haben wir in Europa jedoch in erheblichem Maße auch von der Dollarschwäche, insbesondere beim Rohöleinkauf, profitiert. Seit 01.01.2006 ist der Dollar zu Eurowechselkurs von 85 Cent auf das heutige Niveau gesunken. Hätten wir am 12.07.2008, als der Rohölpreis mit 146 Dollar notierte, noch einen Wechselkurs von 85 Cent gehabt, so hätte dies die Mineralölpreise um weitere 20 Cent zuzüglich Mehrwertsteuer = 23 Cent an der Zapfsäule bzw. im Heizöleinkauf belastet. Wir hätten in der Folge am 12.07.2008 Tankstellenpreise von rund 1,85 € für Benzin und Heizölpreise für eine 3.000-Liter-Partie inklusive Mehrwertsteuer von 1,20 € pro Liter gesehen.

Woher kommt die jetzige Stärke oder Schwäche des Euro? Dies hat zwei Gründe:

1. Die Wirtschaftsexperten sehen in Europa eine schwächer werdende Wirtschaftsleistung. Folglich ist nicht nur die amerikanische Wirtschaft schwach (ausgelöst durch die Bankenkrise), sondern auch die europäische mit der Folge, dass jetzt der Euro unter Abwertungsdruck kommt.

2. Dass Spekulanten an den Börsen auf einen steigenden Dollar wetten mit der Folge, dass sie ihr Geld lieber in Devisengeschäfte investieren als in Rohstoffe. Von einigen Wirtschaftsexperten wird seit Längerem beobachtet, dass es einen Zusammenhang zwischen den steigenden oder fallenden Rohstoffpreisen und dem Dollarkurs gibt. In der Vergangenheit hieß die Devise: Der Dollar fällt, folglich steigt der Rohölpreis und in Zukunft könnte es sein, dass der Dollar steigt und das Rohöl fällt.

Damit für die Verbraucher in Europa ein nachlassender Rohölpreis auch tatsächlich zu niedrigeren Tankstellen- und Heizölpreisen führt, muss der Rohölpreis prozentual stärker fallen als der Dollar. Sollte hingegen der Dollar stärker steigen, als das Rohöl an Wert verliert, so kann selbst bei fallendem Rohölpreis auch ein steigender Endverbraucherpreis in Euro die Folge sein.

Es gilt deshalb, neben den Rohölpreisentwicklungen auch sehr kritisch den Trend des Dollar gegenüber dem Euro zu beobachten, wenn die Preisbewegungen im Heizöl bzw. an den Tankstellen nachvollzogen werden sollen. Leider machen auch viele Verbraucher den Fehler und meinen, wenn der Rohölpreis in Dollar um 22 % fällt, dass in gleichem Maße auch der Tankstellen- oder Heizölpreis fallen müsste. Doch neben dem Dollar gilt es, auch noch die hohen staatlichen Steueranteile für Mineralöl-, Öko- und Mehrwertsteuer zu bedenken, auf die ein Nachgeben oder Ansteigen des Rohölpreises keinerlei Auswirkung hat.

Vielen Dank an dieser Stelle an die Fa. Erich Doetsch Mineralölhandels KG!