Ölmarkt-Analyse Dezember 2016

Gepostet am 13. Dez. 2016 in News

Als die OPEC bei ihrem ersten Versuch, die Fördermengen zu reduzieren, im Frühjahr kläglich gescheitert war, setzte kaum mehr jemand einen Pfifferling auf das Kartell, das in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung verloren hatte. Die Mitglieder waren zerstritten und hatten nur die eigenen Ziele im Blick. Die OPEC stand kurz vor dem Zerfall!

Nun aber scheint es so, als ziehe man wieder an einem Strang, was angesichts der Preisverfalls der letzten Jahre, für viele MItgliedsländer wohl auch überlebensnotwendig ist.
So einigte man sich Ende November, nach langem Hin und Her, auf eine Reduzierung der täglichen Ölförderung um 1,2 Millionen Barrel, was spontan zu einem kräftigen Anstieg der Rohölpreise geführt hat.

Am Chart ist sehr schön abzulesen, dass die Marktteilnehmer im Vorfeld nicht unbedingt an die Umsetzbarkeit der bereits Ende September angekündigten Maßnahme geglaubt hatten.

Damit aber nicht genug! Erstmals überhaupt, organisierten sich auch Ölförderländer außerhalb der OPEC mit dem Ziel, die Ölproduktion zu drosseln.
Angeführt von Russland, dass selbst 0,3 Mio. Barrel pro Tag zurückfahren will, einigte man sich am vergangenen Wochenende auf eine Reduzierung von 0,56 Millionen Fass.

Insgesamt soll dem Ölmarkt also ab Januar rund 1,8 Mio. Barrel pro Tag weniger zur Verfügung stehen, was wohl zu einem vorläufigen Ende der derzeitigen Überversorgung führen wird.

Doch es gibt durchaus auch Hoffnung, dass das Ganze nicht ganz so heiß gegessen werden muss, wie es derzeit gekocht wird.
In der Vergangenheit hielten sich die OPEC-Staaten kaum an die vereinbarten Mengen und dies könnte durchaus auch jetzt der Fall sein, zumal einige wichtige Mitgliedsstaaten, wie der Iran bzw. der Irak, nur zähneknirschend an den Verhandlungstisch zu holen waren.
Auch die Anzahl der aktiven Ölförderanlagen in den USA stieg in den letzten Wochen weiter deutlich, auf nunmehr knapp 500 Einheiten an. Dieser Trend wird sich noch verstärken, wenn aufgrund der höheren Ölpreise, die Investitionen in die Schieferölindustrie weiter hochgefahren werden.

Am Ölmarkt ist also immer was los und man darf gespannt sein, wohin sich die Preise entwickeln werden.
Auch wenn wir der Meinung sind, dass der größte Anstieg bereits hinter uns liegt, dürfte die Zeit der extrem niedrigen Ölpreise – zumindest bis auf weiteres –  leider vorbei sein.

+ preistreibende Faktoren

  •     OPEC will tägliche Fördermenge um 1,2 Mio. Barrel kürzen
  •     „Nicht-OPEC-Länder“ kürzen ebenfalls um gut 0,5 Mio. Fass
  •     starkes Ölnachfragewachstum aus China und Indien

– preisdrückende Faktoren

  •     Zweifel über konsequente Umsetzung der Kürzungsbeschlüsse
  •     US-Schieferölindustrie weiter auf dem Vormarsch
  •     schwaches globales Wachstum
  •     permanente Steigerung der Energieeffizenz