Ölmarkt-Analyse Februar 2017

Gepostet am 21. Feb. 2017 in News

Vor rund vier Wochen haben wir prognostiziert, dass die Rohölpreise nur wenig Spielraum nach oben haben. Dies hat sich bewahrheitet!

Allerdings hat sich auch gezeigt, dass die Luft nach unten in diesen Tagen ebenfalls recht dünn ist und so zeigen sich die Notierungen stabil wie lange nicht.
Die Brent-Ölpreise scheinen derzeit in einer Preisspanne von 54 bis 57 Dollar pro Barrel  förmlich gefangen zu sein.
Angesichts der in den letzten Wochen kräftig gestiegenen US-Ölbestände , ist dies für uns etwas verwunderlich. Immerhin befinden sich die Vorräte, zumindest bei Rohöl und Benzin, mittlerweile auf einem Allzeithoch!
Wir hätten zugegebenermaßen schon erwartet, dass der Markt auf diese Fakten reagiert und gleichzeitig die Spekulationen um die künftige Förderpolitik von OPEC und Co. etwas weniger stark gewichtet.
Allerdings darf nicht verkannt werden, dass das Kartell es wohl tatsächlich geschafft hat, die angekündigte Förderkürzung weitgehend umzusetzen.
Je nach Erhebungsquelle ist davon auszugehen werden, dass rund 75 bis 80 Prozent der beschlossenen Reduzierung bereits umgesetzt und dem Markt somit ca. eine Millionen Barrel pro Tag entzogen worden ist.
Dies lässt es für möglich erscheinen, dass das Abkommen über das erste Halbjahr hinaus verlängert werden könnte und gleichzeitig erwarten, dass die OPEC auch in Zukunft handlungsfähig ist.
Dies wird wohl auch nötig sein, denn aus den USA werden in diesen Wochen nicht nur permanent steigende Ölvorräte, sondern auch immer mehr in Betrieb gehende Ölbohranlagen vermeldet . Mittlerweile sind es knapp 600!
Im Mai letzten Jahres lag diese, in Folge des starken Preiseinbruches im Januar, nur bei 314 Einheiten.
Man braucht kein Prophet sein um vorherzusehen, dass die mittlerweile gewaltige Ölschiefer-Industrie in Nordamerika – Kanada darf dabei natürlich nicht vergessen werden – ihren Ausstoß in den nächsten Monaten deutlich erhöhen wird.
Es ist daher für uns nur schwer vorstellbar, dass die Überversorgung des Marktes in einer Größenordnung reduziert werden kann, die eine Preisstabilität auf aktuellen Niveau in den nächsten Wochen und Monaten gewährleistet.
Obwohl der Öldurst vor allem in China und Indien weiterhin stetig zunimmt, muss berücksichtigt werden, dass nicht nur die USA und Kanada ihre Mengen permanten erhöhen, sondern auch Brasilien und die vom Abkommen ausgenommen OPEC-Länder Iran, Libyen und Nigeria.
Zudem sehen wir derzeit die ersten negativen Auswirkungen einer starken Verunsicherung, die auf die Politik des US-Präsidenten Trump und den Ausstieg Großbritanniens aus der EU zurückzuführen ist. Vor allem in den USA und in Europa ist mit stagnierender bzw. weiter rückläufiger Nachfrage zu rechnen.
Somit gehen wir davon aus, dass die Rohölpreise in den nächsten Wochen und Monaten unter Druck geraten werden und dabei die 50-Dollar-Marke durchaus im Bereich des Möglichen liegen sollte.

 

+ preistreibende Faktoren

  •     OPEC in Sachen Förderkürzung „im Plan“
  •     Möglichkeit der Fortführung des Abkommens über das erste Halbjahr hinaus
  •     starkes Ölnachfragewachstum in China und Indien

– preisdrückende Faktoren

  •     US-Schieferölindustrie weiter auf dem Vormarsch
  •     Iran, Libyen und Nigeria erhöhen Ausstoß
  •     zuletzt wieder deutlich gestiegene US-Ölbestände
  •     schwaches globales Wirtschaftswachstum
  •     permanente Steigerung der Energieeffizenz