Ölmarkt-Analyse Februar 2019

Gepostet am 20. Feb. 2019 in News

Nach dem kräftigen Einbruch der Rohölpreise zum Ende des Jahres und der Erholung im Januar, rechneten nicht wenige Analysten und Marktbeobachter, dass die Öl-Futures im ersten Quartal wieder unter Druck geraten werden. Doch so wie es in den letzten Tagen aussieht, geht diese Rechnung wohl nicht auf.  Die Rohölpreise stehen derzeit auf dem höchsten Niveau seit drei Monaten!

Dabei hätte die Konstellation für einen möglichen Einbruch der Ölpreise scheinbar nicht besser sein können.  Man erwartete, dass die am Förderabkommen beteiligten Ölförderländer die Kürzungsbeschlüsse von Anfang Dezember nicht konsequent und schnell genug umsetzen werden und rechnete parallel mit einer weiter stark wachsenden Ölproduktion in den USA . Letzteres ist auch eingetreten.

Doch man unterschätzte die Disziplin der OPEC und hier allen voran von Saudi-Arabien . Das Königreich geht als „Leader“ des Kartells mit gutem Beispiel voran und hat seine Ölfördermengen drastisch nach unten gefahren .  Bis März sollen die Förderung um weitere 400.000 Barrel pro Tag gekürzt werden, sodass dann nur noch 9,8 Millionen Barrel pro Tag produziert werden. Im Vegleich zum November ein Rückgang von rund 1,2 Mio. Fass pro Tag! Hinzu kam, dass aus Kanada aufgrund von logisitischen Problemen die Produktion planmäßig um rund 325.000 bpd zurückgefahren werden musste.
Das größte Problem auf der Angebotsseite ist derzeit aber natürlich die Krise in Venezuela und die damit verbundenen Sanktionen der USA gegen die dortige Ölindustrie. Dadurch fehlen dem Ölmarkt in nächster Zeit schätzungsweise weitere 500.000 Barrel pro Tag. 
Auf der Nachfrageseite ist hingegen bislang kein Einbruch zu spüren. Zwar ist der globale Wachstumsmotor etwas ins Stocken geraten, aber noch läuft er und der Ölverbrauch ist dabei immer noch steigend , auch wenn das erste Quartal traditionell schon immer das nachfrageschwächste war. Zudem gibt es die Hoffnung, dass der Handelsstreit zwischen den USA und China doch noch in letzter Minute beigelegt werden kann, bzw. die zum ersten März angekündigte Ausweitung der US-Zölle bei Bedarf ausgesetzt oder verschoben werden.
Grundsätzlich liegt das Problem derzeit aber eher auf der Angebotsseite, wodurch die Versorgungslage so knapp ist wie seit Monaten nicht mehr.  Zwar werden die Ölhähne in Kanada langsam wieder aufgedreht und auch in den USA wird die Förderung immer weiter ausgebaut, doch das Thema Venezuela wird sich am Ölmarkt sicherlich noch längere Zeit auswirken und die Ölförderung in Libyen und Nigeria steht nach wie vor auf recht wackeligen Beinen, auch wenn das Sharara-Ölfeld nun wohl wieder unter der Kontrolle der libyschen Armee ist.
Daher gehen wir davon aus, dass es auch in den nächsten Wochen keinen größeren Einbruch am Ölmarkt geben wird.  Die Gefahr weiter steigender Ölpreise ist hingegen durchaus gegeben . Lediglich ein überraschendes Scheitern der Verhandlungen zwischen den USA und China könnte den Ölkomplex aus heutiger Sicht nachhaltig unter Druck bringen.


+ preistreibende Faktoren

  • OPEC und Co. kürzen Ölförderung schneller als gedacht
  • Krise in Venezuela    
  • politische Risiken in wichtigen Ölförderländern
  • Annäherung im Handelsstreit zwischen China und den USA
  • Ölverbrauch in China und Indien steigt weiter deutlich an      

– preisdrückende Faktoren

  • Handelsstreit zwischen China und USA    
  • Erste Anzeichen einer globalen Wirtschaftsschwäche
  • Boomende US-Schieferölindustrie       
  • permanente Steigerung der Energieeffizienz