Ölmarkt-Analyse Juli 2018

Gepostet am 17. Jul. 2018 in News

Wie wir bereits in der letzten Ausgabe unserers Newsletters tituliert haben, war der OPEC-Beschluss von Ende Juni weder Fisch noch Fleich. Eigentlich wurde lediglich vereinbart, die ursprünglich vereinbarte Reduzierung einzuhalten und diese nicht weiter überzuerfüllen. Dies geschah vor allem deshalb, weil die Öllieferungen Venezuelas in den vergangenen Monaten poltisch und wirtschaftlich bedingt stetig zurückgegangen sind.

Wie nachstehender Chart sehr schön zeigt, reagierten die Rohölpreise nicht wie gewünscht auf die Vereinbarung von OPEC und Co . (es sind ja auch Nicht-OPEC-Staaten am Förderabkommen beteiligt).
Im Gegenteil, die Notierungen zogen darauf hin sogar weiter an.
Dies hatte aber auch noch andere Gründe. In Libyen wurden die wichtigsten Ölverladehäfen im Nordosten des Landes von Rebellen besetzt und bis vor wenigen Tagen fehlten dem globalen Ölmarkt aus Nordafrika somit rund 850.000 Barrel pro Tag. Mehr als die von OPEC und Co. beschlossene Fördererhöhung von 600.000 Barrel!
Hinzu kamen vorübergehende Ausfälle aus Kasachstan und Kanada , wo es noch bis Mitte September aufgrund von technischen Problemen zu Beeinträchtigungen kommen wird.
Doch jetzt kommen wir zu dem eigentlichen Problem, das ja überhaupt dazu geführt hat, dass die Fördermengen offiziell erhöht wurden.
Der Iran soll nach Willen der US-Regierung bis Anfang November komplett vom Ölmarkt abgekapselt werden . Das heißt, es soll keinem Land des Planeten mehr gestattet sein, iranisches Öl abzunehmen, denn ansonsten muss es ebenfalls mit Sanktionen der USA rechnen.
Dies dürfte in der Praxis zwar schwer umsetzbar sein, doch gibt es bereits erste Reaktionen europäischer und koreanischer Raffinerien, sodass die Ölexporte des Iran schon zu stocken beginnen.
Zwar werden nach letzten Informationen nun doch Ausnahmen durch die US-Regierung geprüft, aber es dürften am globalen Ölmarkt sanktionsbedingt rund zwei Millionen Barrel pro Tag fehlen!
Wo diese herkommen sollen, weiß derzeit niemand so recht und so wird innerhalb der US-Regierung sogar diskutiert, einen Teil der strategischen Ölreserven des Landes für den Markt freizugeben, die eigentlich für den Notfall vorgesehen wären.
Es gibt aber sicherlich auch noch Steigerungspotenzial bei den beiden „Öl-Supermächten“ Russland und Saudi-Arabien und auch die nordamerikanische Schieferölindustrie fördert auf „Teufel komm raus“!
Es besteht also durchaus Hoffnung, dass die weltweit immer weiter steigende Nachfrage auch in den nächsten Monaten bedient werden kann, doch insgesamt wird die Versorgungslage weiter angespannt bleiben.
Dazu sollte beachtet werden, dass die politische Lage in Libyen und auch in anderen wichtigen Ölförderländern nach wie vor sehr instabil ist und jederzeit wieder mit weiteren Ausfällen gerechnet werden muss.

Nur wenn der Handelsstreit zwischen den USA und China bzw. der EU in eine weltweite Rezession münden würde, dürfte die Öl-Nachfrage spürbar zurückgehen und die Ölpreise könnten wieder nachhaltig unter Druck geraten.

+ preistreibende Faktoren      
  • Sanktionen gegen den Iran
  • Venezuela in der Krise
  • politische Risiken in wichtigen Ölförderländern
  • starkes globales Ölnachfragewachstum
  • fallende Ölbestände in den USA und den OECD-Ländern

– preisdrückende Faktoren      

  • Drohender Handelskrieg zwischen USA und China bzw. EU
  • Boom der US-Schieferölindustrie
  • permanente Steigerung der Energieeffizienz
  • Elektrifizierung des Straßenverkehrs