Ölmarkt-Analyse Juni 2017

Gepostet am 20. Jun. 2017 in News

Bereits unmittelbar nach Bekanntgabe der OPEC-Entscheidung brachen die Ölpreise an den Warenterminmärkten ein , obwohl die Verlängerung des Förderabkommens bis zum ersten Quartal 2018 vereinbart wurde.

Wir hatten diese Möglichkeit in der letzten Ausgabe unseres Newsletters zwar als am wahrscheinlichsten erachtet, aber auch eine Fortführung bis zum Jahresende wäre durchaus denkbar gewesen.
Letztendlich spielt für die Entwicklung der Heizölpreise in den nächsten Monaten aber weniger die Dauer des Förderabkommens eine Rolle, als vielmehr der Inhalt, sprich die Menge die gedrosselt werden soll.
Diese wurde aber bei 1,8 Millionen Barrel pro Tag unverändert belassen und nicht wenige Marktexperten sind der Meinung, dass dies nicht ausreichen wird, um die globalen Ölbestände auf das Durchschnittsniveau der letzten fünf Jahre zu drücken, so wie sich die OPEC das zum Ziel gesetzt hat.
Ein großes Problem für die OPEC stellen nach wie vor die Ausnahmeregelungen für Libyen und Nigeria dar.
Lag die libysche Ölproduktion im dritten Quartel 2016 noch bei rund 300.000 Barrel pro Tag, so soll diese bereits in dieser Woche auf 900.000 Fass ansteigen. Ziel ist eine Million!
Auch in den USA und in Kanada sind die Ölhähne weiter voll aufgedreht . Die Zahl der aktiven US-Bohranlagen hat mit 747 Einheiten den höchsten Stand seit April 2015 erreicht und steigt seit nunmehr 22 Wochen ununterbrochen an.
Zwar steigt auch der globale Ölverbrauch , vor allem in den Wachstumsländern China und Indien,  stetig an , doch die große Frage ist, ob das dazu führt, nicht nur diese Mengen aufzunehmen, sondern die Ölbestände zu reduzieren.
Viele Analysten zeigen sich skeptisch und die meisten von ihnen reduzierten ihre Ölpreiseprognose für dieses Jahr. Auch die Monatsreports der OPEC und der Internationalen Energieagentur (IEA) lieferten zumindest keine bullishen Signale.
Zudem steigen die US-Ölbestände seit zwei Wochen wieder an!

Wir gehen daher davon aus, dass sich die internationalen Ölpreise in den nächsten Wochen weiter schwach zeigen werden , wenngleich ein großer Einbruch, wie wir ihn Ende 2015/Anfang 2016 gesehen haben, wohl ausbleiben wird. Dies dürfte dann doch die OPEC mit einer disziplinierten Einhaltung des Förderabkommens verhindern.

 

+ preistreibende Faktoren    

  • Fortführung des OPEC-Abkommens bis Q1/2018
  • Politische Spannungen mit Katar
  • starkes Ölnachfragewachstum in China und Indien

– preisdrückende Faktoren

  • US-Schieferölindustrie weiter auf dem Vormarsch
  • Libyen und Nigeria erhöhen Ausstoß
  • schwaches globales Wirtschaftswachstum
  • zuletzt wieder gestiegene Ölbestände in den USA
  • permanente Steigerung der Energieeffizenz