Ölmarkt-Analyse Mai 2016

Gepostet am 18. Mai. 2016 in News

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt!

Dieser zugegebenermaßen etwas abgedroschen wirkende Spruch trifft derzeit sehr gut auf den Ölmarkt zu, denn selten lag die Fachwelt mit Ihren Preisprognosen so stark daneben, wie vor rund vier Wochen.

Nach dem gescheiterten Bemühungen von wichtigen OPEC-Staaten und Russland, die Öl-Fördermenge auf Januar-Niveau einzufrieren, wurde auf breiter Front ein Rückgang der Rohölpreise prognostiziert, was ja durchaus auch naheliegend war.
Bereits in der letzten Ausgabe unseres Newsletters waren wir der Meinung, dass das Scheitern von OPEC und Co. die Preise nur kurzfristig drücken kann.
Mittel- und langfristig gesehen wird es zu einer Verknappung und zwangsläufig wieder höheren Preisen kommen müssen.

Dass das kurzfristige Szenario nun anscheinend komplett ausgefallen ist, liegt hautpsächlich daran, dass sich die Nachfrage, nicht zuletzt verursacht durch die aufstrebende Wirtschaftsnation Indien, zuletzt sehr robust gezeigt hat, gleichzeitig aber die Ölförderung in Nordamerika kontinuierlich zurückging.

Hinzu kamen Ölarbeiterstreiks in Nigeria, Produktionsrückgänge im krisengeschüttelten Venezuela und zuletzt vor allem die Waldbrände in Kanada, die zumindest kurzfristig eine nicht unerhebliche Menge an Öl vom Markt nehmen.

Im Mai soll der Verbrauch erstmals seit längerer Zeit wieder höher sein als das Angebot und auch die US-Ölbestände waren zuletzt wieder rückläufig!

Insgesamt ist immer öfter vom Ende des Öl-Überangebotes zu hören und das in Rohstoffkreisen sehr renommierte Investmenthaus Goldman Sachs hob vor wenigen Tagen ihre Ölpreisprognose  für das zweite Halbjahr von 40- 45 auf nunmehr rund 50 US-Dollar pro Barrel an. Die Kehrtwende sei früher eingetreten als erwartet, hieß es in der neuesten Studie.

Geht es am Ölmarkt so weiter wie in den letzten Wochen, dürfte die psychologisch wichtige 50-Dollar-Marke bei Brent-Öl schon bald, und erstmals seit Herbst letzten Jahres, wieder überschritten werden.

+ preistreibende Faktoren      
  • US-Ölbestände rückläufig
  • Anzahl der US-Ölförderanlagen auf niedrigem Niveau
  • Förderausfälle in Nigeria, Kanada und Venezuela
  • extremst niedrige Zinsen, Kapital sucht Anlagemöglichkeiten
  • Indien tritt mit stark steigendem Verbrauch Nachfolge Chinas an

 

– preisdrückende Faktoren      

  • Ölförderländer kämpfen um Marktanteile
  • Iran drängt wieder auf den Markt
  • Konjunktursorgen in China und anderen großen Wirtschaftsräumen
  • permanente Steigerung der Energieeffizienz – stagnierender Verbrauch