Ölmarkt-Analyse Mai 2017

Gepostet am 19. Mai. 2017 in News

Für uns durchaus etwas unerwartet, sind die Rohölpreise Ende April/Anfang Mai deutlich zurückgefallen und die Brentöl-Futures haben, erstmals wieder seit Ende November, die 50-Dollar-Marke unterschritten.

Dieser Ausflug nach unten dauerte aber nicht sehr lange, denn seit rund einer Woche ziehen die Notierungen wieder an und vom Rückgang ist leider nicht mehr all zuviel übrig geblieben.

Bearish zu wertenden US-Ölbestände, ein kräftiger Anstieg der libyischen Ölförderung und die stetige Ausweitung der us-amerikanischen Schieferöl-Industrie  ließen die Marktteilnehmer zumindest vorübergehend daran zweifeln, ob das Förderabkommen der OPEC, auch bei Fortführung über das erste Halbjahr hinaus, ausreichen kann , um den Markt wieder ins Gleichgewicht zu bringen.
Nach den bisherigen Signalen aus Kreisen des Kartells scheint es bereits beschlossene Sache zu sein, dass die im November verabschiedete und bisher auch relativ konsequent umgesetzte Förderkürzung, mindestens bis Ende des Jahres fortgeführt werden soll.
Doch es gibt auch Stimmen, die für eine Ausweitung oder eine weitere Verlängerung um neun Monate plädieren.
Das aus unserer Sicht derzeit  wahrscheinlichste Szenario ist tatsächlich eine zeitliche Ausdehnung bis Ende des ersten Quartals 2018 . Zumindest haben sich die Markt-Schwergewichte Saudi-Arabien und Russland kürzlich dahingehend ausgesprochen und finden dabei durchaus breite Zustimmung
Auch die Marktteilnehmer scheinen dies nicht zur Gänze ausschließen zu wollen, was der Preisanstieg der letzten Woche verdeutlicht.
Es ist aber auch durchaus denkbar, dass es nur die „kleine Lösung“ bis Ende des Jahres gibt. Dies könnte ein Kompromissangebot an eher „unwillige“ Mitgliedsländer sein. Eine weitere Verlängerung könnte dann gegen Ende des Jahres immer noch vereinbart werden.
Am unwahrscheinlichsten ist derzeit ein völliges Scheitern , also keine weitere Mengenregulierung. Dies kann sich die OPEC in der jetztigen Marktsituation definitiv nicht leisten und die bisher sehr hohe Quotentreue lässt dies auch nicht erwarten.
Der 25. Mai wird endgültige Klarheit bringen. Die Spannung steigt!

 

+ preistreibende Faktoren

  • Fortführung des OPEC-Abkommens bis Jahresende, möglicherweise bis Q1 2018
  • geopolitische Spannungen
  • starkes Ölnachfragewachstum in China und Indien
  • US-Ölbestände zuletzt wieder rückläufig

 

– preisdrückende Faktoren

  • US-Schieferölindustrie weiter auf dem Vormarsch
  • Iran, Irak, Libyen und Nigeria erhöhen Ausstoß
  • schwaches globales Wirtschaftswachstum
  • permanente Steigerung der Energieeffizenz