Ölmarkt-Analyse Mai 2019

Gepostet am 21. Mai. 2019 in News

Der von vielen Analysten Anfang des Jahres erwartete Preisrückgang an den internationalen Ölmärkten ist leider ausgeblieben.  Zwar fiel die globale Ölnachfrage im ersten Quartal traditionell eher schwach aus, doch die extrem hohe Förderdisziplin der am Förderabkommen beteiligten Länder hat dafür gesorgt, dass der Markt seit Wochen sehr schwach versorgt ist.  In Folge kletterten die Rohölpreise seit Ende Dezember permanent nach oben.

Doch nicht nur die freiwillige Rücknahme der Förderung, die zu einem Großteil von Saudi-Arabien verursacht wird, ließ das Angebot zurückgehen, sondern auch die Krise in Venezuela und vor allem die Ausweitung der US-Sanktionen gegen den Iran.
Die bis Anfang Mai hier geltenden Ausnahmeregelungen wurde von der US-Regierung ausnahmslos gestrichen, sodass nun 0,5 bis 0,8 Millionen Barrel pro Tag zusätzlich fehlen. Der Iran hat darauf reagiert und das Atomabkommen , das formal ja noch mit Russland, China, Frankreich, Großbritannien und Deutschland besteht, teilweise aufgekündigt und gleichzeitig mit einem Komplettausstieg gedroht. Zwar wird von beiden Seiten immer wieder betont, keinen Krieg zu wollen, doch nicht nur der Ton zwischen den USA und Iran hat sich deutlich verschärft, es wurde auch die Militärpräsenz im Persischen Golf verstärkt und gefährdete US-Streitkräfte aus dem Nachbarland Irak abgezogen. Erst am vergangenen Sonntag hat Donald Trump mit der „Auslöschung des Iran“ gedroht und es gibt nicht wenige Nahost-Experten, die einen Ausbruch eines neuen Golfkrieges für nicht unwahrscheinlich halten – gewollt oder auch ausgelöst durch ein unbeabsichtigtes oder manipuliertes Ereignis.
Was das für den Ölmarkt bedeuten würde, ist kaum vorstellbar. Rund 30 Prozent des weltweit verschifften Rohöls müssen durch die Meerenge von Hormus transportiert werden, also teilweise über iranisches Hoheitsgewässer. Teheran hatte in der Vergangenheit bereits des öfteren mit der Schließung des Nadelöhrs gedroht und würde diese Drohung im Falle eines Angriffes der USA sehr wahrscheinlich wahr machen. 
Es gibt aber auch noch weitere Risiken am Ölmarkt. Vor allem der Bürgerkrieg in Libyen könnte dafür sorgen, dass auch hier die Exporte deutlich zurückgehen oder sogar komplett wegbrechen könnten. Derzeit liegt die Ölförderung hier bei rund 1,2 Millionen Barrel pro Tag.
Derweil hält sich die OPEC weiterhin bedeckt, wenn es um die Anhebung der Förderquoten geht.  Am vergangenen Wochenende gab es ein Treffen des Joint Ministerial Monitoring Committee (JMMC), das unter anderem die Einhaltung der vereinbarten Förderquoten überwachen soll. Eine Mehrheit der Teilnehmer sprach sich dabei wohl für eine Verlängerung des Förderabkommens vom Dezember letzten Jahres aus, was aber noch nicht zwingend heißen muss, dass dies beim nächsten OPEC-Treffen Ende Juni in Wien auch so beschlossen wird. Auch ohne eine offizielle Anhebung der Fördermengen gibt es zum Beispiel für Saudi-Arabien die Möglichkeit, die Ölhähne wieder aufzudrehen, da das Königreich zuletzt ja deutlich weniger produziert hatte, als dies eigentlich vereinbart war.
Es gibt also viele Fragezeichen, vor allem was das Angebot betrifft. Aber auch die Sorgen vor einem deutlichen Rückgang der globalen Ölnachfrage sind in den letzten Wochen nicht kleiner geworden.  Das von den USA und China angetrebte Handelsabkommen , das man eigentlich schon auf der Zielgeraden gesehen hatte, ist immer noch nicht abgeschlossen.  Stattdessen wurden auf beiden Seiten neue Zölle eingeführt, die befürchten lassen, dass der Streit weiter eskalieren könnte. Bislang kam es aber erstaunlicherweise noch zu keinem Abbruch der Verhandlungen. Mal schauen, ob die neuen Sanktionen gegen den Handy-Hersteller Huawei daran etwas ändern.
Entsprechend schwer gestaltet sich derzeit die Prognose zum weiteren Verlauf der internationalen Ölpreise.  Wir sehen leider auch in nächster Zeit wenig Spielraum nach unten , da es einfach zu viele Risiken auf der Angebotsseite gibt. Im schlimmsten Fall könnten die Rohölpreise zumindest kurzfristig explodieren und in Richtung 100-Dollar-Marke gehen, sollte es tatsächlich zu einem Krieg im Nahen Osten kommen.

+ preistreibende Faktoren

  • Kriegsangst im Nahen Osten
  • OPEC-Förderabkommen soll verlängert werden
  • US-Sanktionen gegen Venezuela und Iran
  • Bürgerkrieg in Libyen bedroht Ölexporte
  • Ölverbrauch in China und Indien steigt weiter an        

– preisdrückende Faktoren

  • Handelskonflikt zwischen USA und China
  • Schwache globale Konjunkturentwicklung    
  • permanent steigende Fördermengen in Nordamerika 
  • permanente Steigerung der Energieeffizienz