Ölmarkt-Analyse November 2017

Gepostet am 21. Nov. 2017 in News

Vor rund vier Wochen übermittelten wir mit unserem Newsletter die Botschaft „Warten wird zum Risiko“ und wir hatten dabei – klar wie selten – zum Kauf geraten.

Dies hat sich zumindest bisher als absolut richtig erwiesen, denn die Rohölpreise legten nochmals zu und erreichten Anfang November den höchsten Stand seit Juli 2015.
Auslöser hierfür waren neue Spannungen im Nahen Osten!
Auch wenn sich die Lage mittlerweile etwas beruhigt hat und die Futures ein wenig zurückgekommen sind, gibt es am Ölmarkt nach wie vor zahlreiche brisante Themen, die allesamt das Potenzial haben, die Notierungen noch weiter nach oben zu treiben.
Zunächst geht es natürlich um das nächste OPEC-Treffen am 30. November in Wien. Vor allem Saudi-Arabien, der mit Abstand wichtigste Vertreter des Kartells, forciert bereits seit geraumer Zeit eine Verlängerung des Förderabkommens über das erste Quartal 2018 hinaus. Das Königreich ist der Meinung, dass das Ziel, die globlen Ölbestände auf das Durchschnittsniveau der letzten fünf Jahre zu drücken, nur erreicht werden kann, wenn auch im ganzen nächsten Jahr die aktuelle Fördermenge von ca. 32,5 Millionen Barrel pro Tag beibehalten wird.
Russland, als wichtigste Vertreter der Nicht-OPEC-Länder, sieht das ähnlich und unterstützt das Vorhaben im Grundsatz. Allerdings zweifelt man in Moskau, ob eine Verlängerung bereits jetzt beschlossen werden muss.
Es wird also spannend und sollte die derzeit allgemeine Erwartung einer vorzeiten Verlängerung eintreten, dürften die Rohölpreise auch in den nächsten Monaten kaum Spielraum nach unten haben.
Vor allem dann nicht, wenn die politische Lage im Nahen Osten weiter so instabil bleibt, wie es derzeit den Anschein hat.
Über den Jemen und Jordanien führen Saudi-Arabien und der Iran seit Jahren eine Art Stellvertreter-Krieg, der sich in den letzten Wochen wieder zugespitzt hat.
Sollte tatsächlich ein offener Krieg zwischen den beiden Supermächten des Nahen Ostens ausbrechen, hätte das natürlich, neben den verheerenden Auswirkungen auf die Bevölkerung, auch fatale Folgen für den Ölmarkt.
Die Preise würden wohl explosionsartig steigen!
Ganz so gravierend wären die Folgen bei einem Krieg zwischen Kurden und Irakern bzw. Türken zwar nicht, jedoch wären auch hier gewaltige Mengen an Rohöl in „Gefahr“, was zumindest zu einer vorübergehenden Verteuerung des „schwarzen Goldes“ führen würde. Hier könnte die OPEC aber einspringen und das oben thematisierte Förderabkommen aussetzen oder sogar vorzeitig aufkündigen.
Weitere Themen, die die Rohölpreise nach oben treiben könnten, sind die Spannungen der USA mit Nordkorea und dem Iran, sowie die instabile politische Lage in Nigeria, dem größten Ölförderland Afrikas.
Sollte jedoch alles ruhig und die geopolitischen Brandherde unter Kontrolle bleiben, gibt es durchaus auch die Chance, dass die Notierungen wieder ein Stück nach unten gehen können.
Vor allem die Schieferölindustrie in Nordamerika hat gewaltiges Potenzial und die Internationale Energieagentur (IEA) rechnet von dieser Seite mit einer regelrechten Ölschwemme in den nächsten Jahren.

 

+ preistreibende Faktoren
  • OPEC-Förderabkommen vor weiterer Verlängerung
  • Instabile Lage im Nahen Osten
  • Ölbestände zuletzt deutlich gefallen
  • starkes Ölnachfragewachstum in China und Indien
  • Atomabkommen mit dem Iran in Gefahr

 

– preisdrückende Faktoren

  • Mengen aus US-Schieferölindustrie steigen weiter
  • permanente Steigerung der Energieeffizenz
  • Elektrifizierung des Straßenverkehrs