Ölmarkt-Analyse Oktober 2017

Gepostet am 17. Okt. 2017 in News

Die Vorzeichen am Ölmarkt haben sich in der zweiten Jahreshälfte deutlich verschlechtert und seit Ende Juni geht es mit den Rohölpreisen kontinuirlich bergauf.

Hauptgrund für die Trendwende ist sicherlich das geschlossene Auftreten von OPEC und Co. , die nicht nur Ende Mai das Abkommen zur Förderreduzierung bis zum Ende des ersten Quartals 2018 verlängert hat, sondern – und das im Gegensatz zu den Erfahrungen der letzten Jahre bzw. Jahrzehnte – sich sogar weitgehend daran hält.
So gingen die weltweiten Ölbestände zuletzt deutlich zurück und liegen derzeit nur noch knapp oberhalb des Mittels der letzten fünf Jahre. Sollte das Abkommen im nächsten Jahr über das erste Quartal hinaus fortgeführt werden, wonach es derzeit auch aussieht, dürfte der Markt bald wieder ausgeglichen oder gar unterversorgt sein.
Denn die globale Nachfrage steigt nach wie vor permanent  und wurde in den jüngsten Monatsreports von OPEC, EIA und IEA sogar wieder nach oben korrigiert.
Auch in den USA gehen die Ölbestände seit Februar zurück und gleiches gilt seit einigen Wochen auch für die Zahl der aktiven US-Bohranlagen.
Dies sind die Fakten!
Hinzu kommen nun neue  Risikofaktoren , die uns durchaus Grund zur Sorge geben.
Brennpunkt Kurdistan : Hier stoßen die Unabhängigkeitsbestrebungen der teilautomomen Region Kurdistan auf wenig Gegenliebe des Irak, vor allem wenn es um die Ausdehnung auf das ölreiche Gebiet Kirkuk geht.
Auch der Iran und die Türkei wollen dies verhindert, befürchten sie doch eine ähnliche Entwicklung in den kurdischen Regionen ihrer eigenen Länder.
So hat Prädident Erdogan mit einer Schließung der Pipline zum türkischen Ölhafen Ceyhan gedroht, sollte die kurische Regierung nicht einlenken.
Am vorgangen Wochenende soll es bereits zu ersten Kampfhandlungen im Krisengebiet gekommen sein.
Aus der Region kommen derzeit rund 500.000 Barrel Öl pro Tag!
Der zweite große Risikofaktor ist derzeit die mögliche Aufkündigung der Atom-Abkommens mit dem Iran durch die USA , angetrieben vom US-Präsidenten Donald Trump. Sollte ihm dies gelingen, würde der Iran sein Aufrüsten wohl fortsetzen und die internationale Staatengemeinschaft eventuell mit Sanktionen und womöglich sogar einem Ölembargo entgegentreten.
Wir schätzen die Wahrscheinlichkeit, dass es tatsächlich soweit kommt, derzeit zwar recht gering ein, jedoch beginnt der Markt doch, hier eine gewisse Sicherheitsprämie einzufordern.
Weitere preistreibende Faktoren sind die zuletzt stark gestiegenen chinesischen Ölimporte und die geopolitischen Spannungen zwischen den USA und Nordkorea .

Lediglich die Ankündigung zahlreicher nordamerikanischen Ölgesellschaften, ihre zu erwartende Schieferölproduktion bei Rohölpreisen jenseits der 50-Dollar-Marke absichern zu wollen, wirkt derzeit preisdrückend.

+ preistreibende Faktoren       
  • Unsichere Lage in Kurdistan
  • OPEC-Förderabkommen vor weiterer Verlängerung
  • Ölbestände zuletzt deutlich gefallen
  • Anzahl der aktiven US-Bohranlagen stagniert bzw. geht zurück
  • starkes Ölnachfragewachstum in China und Indien
  • Atomabkommen mit dem Iran in Gefahr

– preisdrückende Faktoren  

  • Mengen aus US-Schieferölindustrie steigen weiter
  • permanente Steigerung der Energieeffizenz
  • Elektrifizierung des Straßenverkehrs