Ölmarkt-Analyse Oktober 2018

Gepostet am 23. Okt. 2018 in News

Taktgeber für die Heizölpreise hierzulande war in der Vergangenheit stets der Rohölpreis. Ist dieser gestiegen, haben die Inlandspreise binnen weniger Minuten nachgezogen, was natürlich auch bei entsprechenden Preisrückgängen gegolten hat.

Seit die Rekord-Pegel-Niedrigstände an Rhein, Main und Donau den ganzen Heizöl-Markt in  heftige Turbulenzen gestürzt haben, ist dies anders.

Aber dazu später mehr!

Bis Ende September/Anfang Oktober waren tatsächlich noch die Rohöl-Notierungen der übliche Preistreiber am Heizölmarkt.
Es wurden immer neue Höchststände erreicht und die für Europa maßgebenden Brentöl-Futures überstiegen erstmals seit knapp vier Jahren wieder die 85-Dollar-Marke.
Verantwortlich hierfür waren natürlich im Wesentlichen die US-Sanktionen gegenüber dem Iran , die dem Ölmarkt binnen weniger Wochen gut ein bis eineinhalb Million Barrel pro Tag entzogen haben.
Kurzzeitig hatten nicht wenige Analysten und Marktteilnehmer die Befürchtung, der Markt könnte im Laufe des vierten Quartals in eine Unterversorgung hineinsteuern, da ja auch die Förderung in Venezuela weiterhin permanent rückläufig ist.
Zudem gab es immer wieder Anschläge auf Ölanlagen in Libyen und in Nigeria drohte zwischenzeitlich ein Streik der Ölarbeiter . Gerade die beiden größten Ölproduzenten Afrikas spielen derzeit eine wichtige Rolle am Ölmarkt, denn die dort geförderten Mengen haben eine große Bedeutung, die politische Lage ist dabei aber äußerst instabil.
Doch in den letzten Tagen beruhigte sich das Ganze u. a. mit einer Rücknahme der Nachfrageprognosen in den Monatsberichten der Statistik-Abteilung des US-Energieministerium (EIA), der OPEC und der Internationalen Energieagentur (IEA). Hier rechnet man in den nächsten Wochen und Monaten, aufgrund von Währungsproblemen in einigen wichtigen Schwellenländern und des Handelsstreites zwischen Amerika und China, mit einer Verlangsamung des Anstieges des globalen Energieverbrauchs.
Auch die  Ölbestände in den USA konnten zuletzt in Summe wieder zulegen, ebenso die Zahl der aktiven US-Bohranlagen, die mit einer Verzögerung von ca. sechs Monaten zusätzliche Mengen auf den Markt bringen werden.
Die Spannungen zwischen den USA und Saudi-Arabien um die mutmaßlich Ermordung des regierungskritischen saudischen Journalisten Khashoggi, spielen am Ölmarkt, oder gerade wegen dem Ölmarkt, kaum eine Rolle.
Das Königreich hat die westliche Welt derzeit mehr oder weniger in der Hand, denn eventuelle Sanktionen könnten von den Saudis mit einer Öl-Förderkürzung oder gar einem Embargo beantwortet werden, die kaum zu erahnende Konsequenzen zur Folge haben würden.
Seit Mitte Oktober bröckeln nun die Ölpreise an den internationalen Warenterminmärkten und es sieht so aus, als hätten wir die Höchstkurse in diesem Jahr hoffentlich bereits gesehen.
Noch kann aber keine Entwarnung gegeben werden, denn die Mengenversorgung ist nach wie vor knapp und die Reservekapazität sind äußerst gering.
Ein längerfristiger Ausfall der Förderung in einem wichtigen Ölförderland hätte katastrophale Auswirkungen auf den Ölmarkt und so gibt es derzeit kaum weiteren größeren Spielraum für deutlich fallende Rohölpreise.
Eine entsprechende  Risikoprämie  wird bis auf weiteres eingefordert werden.

Wir gehen derzeit davon aus, dass sich die Notierungen bis Jahresende in etwa auf dem aktuellen Niveau seitwärts bewegen und es frühestens im ersten Quartal zu weiteren Abschlägen kommen könnte. Voraussetzung hierfür wäre aber, dass es zu keinen größeren Förderausfällen kommt.

+ preistreibende Faktoren  
  • US-Sanktionen gegen den Iran
  • Konflikt zwischen Saudi-Arabien und USA
  • Krise in Venezuela
  • politische Risiken in wichtigen Ölförderländern
  • robuste globale Nachfrage
– preisdrückende Faktoren   
  • Handelsstreit zwischen China und USA
  • Währungskrisen in einigen Schwellenländern
  • Boomende US-Schieferöl-Industrie
  • permanente Steigerung der Energieeffizienz