Ölmarkt-Analyse September 2018

Gepostet am 18. Sep. 2018 in News

An den internationalen Ölmärkten gab es in den letzten Wochen eigentlich nur ein Thema, verknüpft mit der spannenden Frage:

Können die fehlenden Mengen aus dem Iran in den nächsten Monaten ausreichend kompensiert werden?
Dass dies, angesichts der nach wie vor stetig steigenden globalen Nachfrage, durchaus eine Herausforderung für OPEC und Co. werden wird, zeigt der Verlauf der Rohölpreise in den letzten Wochen.

Die für uns maßgebenden Rohölpreise der Nordsee-Marke „Brent“, sind auf das höchste Niveau des Jahres angestiegen.
Die durch die permanent zurückgehende Öl-Förderung in Venezuela bereits deutlich verknappte Angebotsmenge, kann derzeit nur unter großen Anstrengungen nach oben gefahren werden.
Innerhalb der OPEC steuern Saudi-Arabien und der Irak einen großen Teil der Produktionssteigerungen bei, aber auch Russland und die USA drehen die Ölhähne immer weiter auf.
Teilweise werden die Öl-Exporte in politisch sehr instabilen Ländern wie Libyen, Nigeria oder dem Irak aber immer wieder durch gewaltsame Übergriffe und Anschläge gestört und ein größerer Ausfall, wie Mitte des Jahres in Libyen, wäre sicherlich fatal.
Denn diese Mengen werden jetzt und auch in den nächsten Wochen und Monaten dringend gebraucht und daher muss am Markt derzeit ein stark erhöhtes Risiko eingepreist werden, was zu diesen deutlichen Kursanstiegen geführt hat.
Viele Länder haben bereits mit der Umsetzung der durch die USA mehr oder weniger diktierten Sanktionen gegen den Iran begonnen und die Ölimporte eingestellt.
Darunter Länder wie Südkorea und Japan.
Auch in Europa machen sich die Einschränkungen mittlerweile bemerkbar. Der Preis der Nordsee- Ölmarke „Brent“ hat sich im Vergleich zu der US-Ölsorte „WTI“ überproportional verteuer t, was aus dem obigen Chart ebenfalls sehr schön hervor geht.
Indien, neben China der größten Abnahmer iranischen Öls verhandelt derweil noch mit Washington bezüglich einer Ausnahmeregelung, da die Abhänigkeit hier einfach zu groß ist.
So ist derzeit noch nicht konkret vorhersehbar, wie weit die Ölexporte aus Teheran letztendlich von der durch US-Präsident Trump geforderten „null“ abweichen werden. Auch China könnte der US-Regierung angesichts der Handelsstreitigkeiten einen Strich durch die Rechnung machen.
Fakt ist aber, dass sich die globalen Ölbestände derzeit auf einem sehr niedrigen Niveau befinden und jede Störung auf der Angebotsseite sofort Auswirkungen auf die Preisentwicklung hat.
Währenddessen bleibt die weltweite Nachfrage nach Öl und Ölprodukten bis dato weiterhin sehr hoch. Zwar gibt es starke Unsicherheiten aufgrund des Handelsstreites zwischen China und den USA, diese haben sich physisch bislang aber kaum auf den Ölmarkt ausgewirkt.
Auch die Währungskrisen in einigen Schwellenländern, wie die Türkei, Südafrika oder Mexiko, haben bislang nur wenig Einfluss auf die Preisfindung.
Dass die Auswirkungen aber doch bald spürbar sein werden, steht für die meisten Marktexperten außer Frage und so wird damit gerechnet, dass sich die derzeit sehr knappe Versorgung bereits Ende des Jahres, spätestens aber im ersten Quartal 2019 wieder etwas entspannen könnte.
Bis dahin ist damit zu rechnen, dass die Rohölpreise in etwa auf dem derzeitigen Niveau verharren werden.  Immer vorausgesetzt, es kommt zu keineren größeren Ausfällen!

 

+ preistreibende Faktoren  
  • US-Sanktionen gegen den Iran
  • Robuster globaler Ölverbrauch
  • Krise in Venezuela
  • politische Risiken in wichtigen Ölförderländern
– preisdrückende Faktoren  
  • Handelsstreitigkeiten zwischen China und USA
  • Währungskrisen in einigen Schwellenländern
  • Boomende US-Schieferöl-Industrie
  • permanente Steigerung der Energieeffizienz