Ölmarkt-Analyse Januar 2018

Gepostet am 16. Jan. 2018 in News

Wer hätte vor gut sechs Monaten gedacht, dass die internationalen Rohölpreise schon bald die 70-Dollar-Marke in Angriff nehmen werden? Damals standen die Brentöl-Futures noch bei ca. 47 Dollar und haben sich seitdem um fast 50 Prozent verteuert.

Mittlerweile haben die Ölpreise auch den höchsten Stand seit Ende 2014 erreicht, notieren aber – und das sollte wirklich nicht vergessen werden – derzeit trotzdem noch weit unter den Höchstständen der Jahre 2011 bis 2014!
Der Ölmarkt ist ein, durch ein großes Kartell beeinflusster, Handelsplatz und die Organisation erdölexportierender Länder, kurz OPEC , hat Ende 2016 beschlossen, die Fördermengen zu reduzieren und dabei auch andere wichtige Förderländer wie Russland mit ins Boot geholt.
Mit konsequenter Umsetzung dieses Beschluss reduzierte sich die Überversorgung schnell und spürbar und bei einer global weiter anziehenden Nachfrage, gehen die weltweiten Ölbestände seit Monaten permanent zurück.
Das ursprüngliche Ziel, die Ölbestände der OECD-Staaten unter den Durchschnitt der letzten fünf Jahr zu drücken, dürfte bald erreicht werden. Das Preisziel von rund 60 Dollar pro Fass ist längst überschritten.
Nutznießer sind dabei nicht nur die am Förderabkommen beteiligten Länder, deren Einnahmen trotz geringerer Exportmengen erheblich angestiegen sind, sondern vor allem auch die Schieferöl-Industrie in Nordamerika und hier speziell die USA.
In den „Staaten“ wird die Ölförderung seit Jahren permanent noch oben gefahren und aus dem ehemals größte Ölimporteuer der Welt, ist längst ein bedeutender Exporteuer geworden.
Und es wird in diese Richtung weitergehen, denn auf dem aktuellen Preisniveau ist die Erschließung neuer Ölquellen so attraktiv wie lange nicht!
Die spannende Frage ist nun, wie schnell die am Markt fehlenden Mengen durch die Fracking-Tonnagen aus Nordamerika kompensiert werden können.
Immerhin wird in diesem Jahr weltweit wohl erstmals mehr als 100 Millionen Barrel pro Tag verbraucht werden. Vor rund zehn Jahren lag dieser Wert noch bei gut 80 Millionen Fass!
Wenn man bedenkt, dass von Erschließung bis Föderung einer Ölquelle in der Regel ca. ein halbes Jahr vergeht und die Zahl der aktiven US-Bohranlagen seit Monaten permanent zunimmt, ist davon auszugehen, dass spätestens im zweiten Quartal es wieder zu einer Entspannung am Ölmarkt kommen könnte, ohne dass die OPEC ihr Förderabkommen dabei aufgeben muss, was derzeit in und außerhalb des Kartells immer wieder diskutiert wird.
Voraussetzung hierfür wäre natürlich, dass die geopolitischen Brandherde unter Kontrolle bleiben.
Neue Sorgen bereitet seit dem Jahreswechsel auch innenpolitisch der Iran, wo es aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Zustände massive Kundgebungen und Bürgerproteste gegeben hat.
Aber auch die kurdischen Unabhängigkeitsbestrebungen im ölreichen Nordirak, sowie die Spannungen zwischen den USA und Südkorea, gilt es hierbei im Auge zu behalten.
Derzeit deutet aber nichts auf eine Eskalationen in diesen Regionen hin, sodass wir auch in den nächsten Wochen von einem stabilen Angebot ausgehen.
Somit sollten auch die Bestände nicht weiter signifikant fallen und die Rohölpreise wohl bald ihren Höchststand erreicht haben.

 

+ preistreibende Faktoren        
  • OPEC-Förderabkommen
  • Instabile Lage im Nahen Osten
  • Ölbestände zuletzt deutlich gefallen
  • starkes globales Ölnachfragewachstum

– preisdrückende Faktoren     

  • Mengen aus US-Schieferölindustrie steigen weiter
  • permanente Steigerung der Energieeffizienz
  • Elektrifizierung des Straßenverkehrs