Ölmarkt-Analyse Mai 2018

Gepostet am 23. Mai. 2018 in News

Bereits die Ankündigung von US-Präsident Trump, das Atom-Abkommen mit dem Iran aufkündigen zu wollen, hatte die Rohölpreise im April deutlich nach oben getrieben.  Vor allem als klar wurde, dass es wohl keine gemeinsame Haltung mit den europäischen Vertretern  des Abkommens geben wird.

Als die Entscheidung dann sogar ein paar Tage früher als geplant bekannt gegeben wurde, ging es am Ölmarkt nochmals kräftig nach oben und es wurde ein neues Dreieinhalb-Jahreshoch erreicht.
Seit knapp einem Jahr haben sich die Rohölpreise nun fast verdoppelt!
Natürlich ist der Preisanstieg nicht unbegründet . Seit Monaten gehen die weltweiten Ölbestände zurück, was im Wesentlichen am  Förderabkommen der OPEC mit anderen Ländern wie Russland liegt. Ende November 2016 wurde beschlossen, die Produktionsmenge um 1,8 Mio. Barrel pro Tag zu kürzen und die Förderung somit bei 32,5 bis 33 Millionen Barrel pro Tag einzufrieren.
Dies wurde seither teilweise mehr als konsequent umgesetzt.
Hinzukommt, dass das eigentlich sehr ölreiche Venezuela einfach nicht aus der Wirtschaftskrise kommt und die Ölförderung hier permanent zurückgeht. Derzeit werden gerade einmal knapp 1,5 Mio. Fass pro Tag produziert. Im Dezember 2015 lag der Wert noch bei 2,4 Millionen Barrel.
Zudem drohen nach dem jüngsten Wahlausgang auch hier Sanktionen durch die USA und der EU, die sicherlich zumindest kurzfristig nicht zu einer Verbesserung der Lage führen werden.
Bisher schaffte es die nordamerikanische Schieferölindustrie nur zum Teil, die weiter steigende globale Ölnachfrage mit ihren zusätzlichen Mengen zu befriedigen.
Doch was passiert, wenn Teheran nun wieder sanktioniert wird?
Mit einer Förderleistung von derzeit rund 3,8 Millionen Barrel pro Tag ist der Iran der drittgrößte Ölförderer der OPEC und deckt aktuell rund vier Prozent des weltweiten Bedarfs.
Mit dem unter Barack Obama mühsam ausgehandelten Atom-Abkommen wurde es Teheran erlaubt, die Fördermenge um eine Million zu steigern, was nun wieder schrittweise zurückgenommen werden soll.
Doch wo soll die dann fehlende Menge herkommen?
Genau das fragen sich natürlich auch die Ölhändler, die derzeit kaum Gründe sehen, um auf fallende Notierungen zu setzen.
Dabei wäre die Lösung ganz einfach. Das Förderabkommen müsste nur gekappt oder einfach nur ausgesetzt werden. Das könnte die derzeitige Unterversorgung stoppen und die drohenden Ausfälle des Iran kompensieren.
Doch bislang gibt es hierzu leider noch  keine konkreten Anzeichen .
Ölpreise zwischen 70 und 80 US-Dollar pro Barrel gefallen Saudi Arabien und Co. anscheinend, auch wenn man zu Beginn des Förderabkommens noch die 60-Dollar-Marke im Visier hatte.

Fazit: Solange OPEC und Co. hier nicht aktiv werden, dürften die Rohölpreise ihren Aufwärtstrend wohl weiter fortsetzen.

 

+ preistreibende Faktoren    
  • OPEC-Förderabkommen
  • Neue Sanktionen gegen den Iran
  • Venezuela in der Krise
  • geopolitische Risiken
  • zuletzt gefallene US-Ölbestände
  • starkes globales Ölnachfragewachstum

– preisdrückende Faktoren    

  • Boom der US-Schieferölindustrie
  • permanente Steigerung der Energieeffizienz
  • Elektrifizierung des Straßenverkehrs