Ölmarkt-Analyse August 2018

Gepostet am 21. Aug. 2018 in News

Die Lage an den internationalen Warenterminmärkten hat sich in den letzten Tagen wieder etwas entspannt, nachdem die Versorgungssituation bis vor kurzem noch sehr kritisch gesehen werden musste.

In Folge haben sich die Rohölpreise stabilsiert und sind in den letzten Wochen sogar weiter leicht, auf den zwischenzeitlich tiefsten Stand seit April diesen Jahres, gefallen.
Mittlerweile konnte Libyen seine Förderung wieder komplett hochfahren und auch die im Rahmen des OPEC-Förderabkommens vereinbarte Mengenerhöhung trägt langsam Früchte.
Hinzu kommt, dass die Schieferölindustrie in Nordamerika nach wie vor auf starkem Expansionskurs ist.
Dies ist aber auch zwingend notwendig, denn neben dem deutlichen Förderrückgang in Venezuela, das ja enorme wirtschaftliche Probleme hat, muss am Ölmarkt in den nächsten Wochen und Monaten auch ein großer Teil der iranischen Öllieferungen kompensiert werden.
Dass die Regierung in Teheran nicht freiwillig reduzieren wird, sondern durch die US-Sanktionen dazu gezwungen wird, dürfte hinlänglich bekannt sein.
Das urprüngliche Ziel von US-Präsident Trump, die iranischen Exporte auf null zu drücken, wurde allerdings schon über Bord geworfen, denn einige Länder, die von den Lieferungen aus dem Iran abhängig sind, wollen sich dem Druck der USA nicht beugen oder auch die mittlerweile von Washington in Aussicht gestellte Ausnahmeregelung verhandeln.
Darunter Länder mit sehr hohem Ölbedarf wie China und vor allem Indien.
Somit wird der tatsächliche Ausfall durch die Iran-Sanktionen in Expertenkreisen tatsächlich auf nur rund eine Million Barrel pro Tag geschätzt.
Auf der anderen Seite bleibt die Nachfrage auf den ersten Blick und nach aktuellen Zahlen vorerst noch sehr robust.
Vorerst deswegen, weil es bereits erste Anzeichen für eine Verlangsamung des globalen Wirtschaftswachstums gibt.
Vor allem China, der zweitgrößte Ölverbraucher der Welt, wird das Tempo der letzten Jahre wohl nicht ganz halten können und hier dürfte auch der Handelsstreit mit den USA über die gegenseitig verhängten Zölle bald Wirkung zeigen.
Wichtige Rohstoffe wie Kupfer oder Aluminium, die als Wirtschaftsfrühindikatoren gelten, haben in letzter Zeit deutlich an Wert verloren und Schwellenländer wie Mexiko, Südafrika oder zuletzt auch die Türkei, klagen über einen Verfall der eigenen Währung, der den Import von Rohstoffen verteuert und so die heimische Wirtschaft abwürgt.

Alles in allem hat sich die Lage am Ölmarkt aus unserer Sicht wieder etwas aufgehellt, sodass wir damit rechnen, dass sich die Rohölpreise in den nächsten Wochen und Monaten zumindest nicht weiter deutlich verteuern werden.

 

+ preistreibende Faktoren
  • US-Sanktionen gegen den Iran
  • Robuster globaler Ölverbrauch
  • Krise in Venezuela
  • politische Risiken in wichtigen Ölförderländern
– preisdrückende Faktoren
  • Handelsstreitigkeiten zwischen China und USA
  • Boomende US-Schieferöl-Industrie
  • permanente Steigerung der Energieeffizienz