Ölmarkt-Analyse Dezember 2018

Gepostet am 11. Dez. 2018 in News

Nun gibt es also endlich wieder Klarheit. Die OPEC kürzt in Übereinkunft mit zehn anderen Nicht-OPEC-Ländern die Förderung ab Januar um ca. 1,2 Millionen Barrel pro Tag.

Dies war aus Sicht des Kartells notwenig geworden, nachdem die aufgrund der US-Sanktionen fehlenden Mengen aus dem Iran, mittlerweile überkompensiert worden waren und in Folge die Rohölpreise in den letzten Wochen stark unter Druck geraten sind.
Die Vereinbarung gilt zunächst bis Ende März und soll dann im April bereits wieder überpüft werden.
Ob die Kürzung ausreichen wird, um die globalen Ölbestände und somit die Ölpreise zu stabilisieren, wird jedoch von vielen Marktexperten bezweifelt.
Dafür gibt es auch gute Gründe:
So hat Russland dem Deal zwar zugetimmt und ist auch bereit, die eigene Produktion um 200.000 Barrel pro Tag zu drosseln. Die Umsetzung soll laut Energieminister Nowak technisch bedingt aber einige Wochen, ja Monate in Anspruch nehmen!
Der Iran, Libyen und Venezuela wurden aus der Veinbarung gänzlich herausgelassen und könnten theoretisch ihre Förderung sogar ausbauen. China hat erst kürzlich rund fünf Milliarden US-Dollar in Venezuela investiert, um die dort seit Jahren zurückgehende Ölproduktion wieder anzukurbeln und auch in Teheran bastelt man an Lösungen, um die US-Sanktionen zumindest teilweise zu umgehen.
Nicht zuletzt macht natürlich die USA, als mittlerweile größter Ölproduzent der Welt, keinerlei Anstalten, die Ölhähne zuzudrehen. Ganz im Gegenteil – die Zahl der aktiven US-Bohranlagen befindet sich auf dem höchsten Niveau seit März 2015 und es kann davon ausgegangen werden, dass die Ölexporte aus den Vereinigten Staaten in nächster Zeit weiter zunehmen werden.
Zwar muss auch Kanada aus logistischen Gründen die Förderung vorübergehend für ein paar Wochen um gut 300.000 Barrel pro Tag reduzieren , dies dürfte aber, vor allem im eher nachfrageschwachen ersten Quartal, leicht zu kompensieren sein.
Auf der Nachfrageseite hat sich der Handelsstreit zwischen den USA und China bereits spürbar auf die globale Wirtschaftsentwicklung ausgewirkt und wird sich wohl auch früher oder später bei der Nachfrage nach Öl und Ölprodukten bemerkbar machen.
Auch wenn es seit dem G20-Gipfel in Buenos Aires wieder Hoffnung auf eine Annäherung der beiden wirtschaftlichen Supermächte gibt, ist bereits großer Schaden entstanden und viel Vertrauen verloren gegangen.
Die letzten Äußerungen von US-Präsident Donald Trump zu diesem Thema waren dann – wie fast schon gewohnt – nicht gerade kooperativ zu verstehen und man wird sehen müssen, ob die Aussetzung der Erhebung neuer Strafzölle über den März nächsten Jahres hinaus Bestand haben wird.
Die von der OPEC erreichte Förderkürzung war aus Sicht der Ölproduzenten sicherlich absolut notwendig und derzeit wohl das bestmöglich zu erzielende Ergebnis. Ob es allerdings reicht, die globalen Bestände wieder abzubauen  und somit die Rohölpreise zu stabilisieren bzw. nach oben zu treiben, kann aus den genannten Gründen durchaus bezweifelt werden.
Wir rechnen auf Sicht der nächsten Wochen und Monate mit einer Seitwärtsbewegung, also mit Ölpreisen von 60 bis 65 US-Dollar pro Barrel bei der Nordsee-Ölmarke „Brent“.

 

+ preistreibende Faktoren   
  • OPEC und Co. kürzen Ölförderung
  • Kanada muss Produktion vorübergehend deutlich zurückfahren
  • politische Risiken in wichtigen Ölförderländern
  • Annäherung im Handelsstreit zwischen China und den USA
– preisdrückende Faktoren    
  • Ölmarkt nach wie vor mehr als gut versorgt
  • Handelsstreit zwischen China und USA
  • sich abschwächendes globales Wirtschaftswachstum
  • Boomende US-Schieferölindustrie
  • permanente Steigerung der Energieeffizienz