Ölmarkt-Analyse Januar 2019

Gepostet am 16. Jan. 2019 in News

Das vergangene Jahr 2018 war nichts für schwache Nerven – zumindest am Ölmarkt. Nachdem es zu Beginn noch recht moderat nach oben ging und es im Sommer fast so aussah, als würden die Rohölpreise  wieder einen ähnlichen Verlauf wie in den letzten Jahren nehmen, ging es dann im Herbst steil nach oben und es gab nicht wenige Analysten, die einen Anstieg auf über 100 Dollar pro Barrel für möglich hielten. Ganz so schlimm kam es dann erfreulicherweise doch nicht und ab Oktober kannten die Futures dann nur noch den Weg nach unten.

Was war passiert? US-Präsident Trump hatte bereits im Mai das Atom-Abkommen mit dem Iran einseitig ge- und gleichzeitig neue Sanktionen angekündigt.  Als dann das Ziel, nämlich die Ölexporte des Iran auf „null“ zu drücken, konkreter formuliert wurde, bekamen es die Marktteilnehmer mit der Angst zu tun, denn die Ölnachfrage entwickelte sich gleichzeitig recht robust und es gab auf der Angebotsseite noch weitere Krisenherde, wie in Venezuela , wo die Förderung von Monat zu Monat weiter zurück ging, oder in Lybien, Nigeria oder dem Irak , wo es immer wieder poltische Unruhen gab, die sich negativ auf die Ölproduktion auswirkten. Weil aber OPEC und Co. die Ölhähne kurzerhand ganz weit aufdrehten, blieb die   befürchtete Unterversorgung aus, zumal auch die USA einigen Ländern großzügige Ausnahmen im Bezug auf den Import iranischen Öl`s gewährten.
Derzeit stehen die Rohölpreise auf einem Niveau, das als sehr günstig zu bezeichnen ist, auch wenn die Notierungen zu Beginn des neuen Jahres um ca. 10 Dollar pro Barrel angezogen haben.
Doch selten waren die Fragezeichen größer, wenn man in die Zukunft blickt! Wie geht es weiter im Nahen Osten? Seit Jahren, ja Jahrzehnten schwelt der Konflikt zwischen Saudi-Arabien und dem Iran. Ein offener Krieg scheint früher oder später unausweichlich zu sein. Die Folgen für den Ölmarkt wären zumindest kurzfristig katastrophal. Vieles deutet auf eine baldige Zuspitzung hin!
Was passiert mit der OPEC? Der Einfluss des Kartells auf den globalen Ölmarkt wurde in den letzten Jahren immer geringer und der Marktanteil schrumpft von Jahr zu Jahr. Erst kürzlich hat Katar die OPEC verlassen, weil die Dominanz Saudi-Arabiens zu groß ist und mittlerweile auch Russland als Nicht-Mitglied gewaltigen Einfluss ausübt.
Wohin entwickelt sich die globale Wirtschaft? Wie geht es mit den Handelskonflikt zwischen den USA und China weiter und wie wirkt sich dieser auf die weltweite Konjunktur aus? Entscheidende Fragen, nicht nur wenn es um die Ölnachfrage geht. Es gibt bereits erste starke Bremsspuren der chinesischen Wirtschaft und auch in Europa. Eine Weltwirtschaftskrise ist nicht auszuschließen, vor allem wenn US-Präsident Trump seinen Kurs des Protektionismus weiter beibehält.
Und wie geht es mit der EU weiter? Passiert der ungeordnete Brexit, oder kann er doch noch verhindert werden? Kann auch die Schuldenkrise in Italien überwunden werden?

All diese Fragen machen die Prognose zum Ölpreis derzeit so schwierig und daher versuchen wir erst gar nicht, hier weiter in die Ferne zu blicken. Es wäre schlichtweg Kaffeesatzleserei! Auf Sicht der nächsten Wochen sehen wir allerdings bislang noch keine große Veränderung in die eine oder andere Richtung.  Der Markt sucht derzeit eine neue Richtung und diese wird wohl erst gefunden werden, wenn eine der vorangegangenen Fragen beantwortet werden kann.


+ preistreibende Faktoren

  • OPEC und Co. kürzen Ölförderung schneller als gedacht    
  • Kanada muss Produktion im ersten Quartal um gut 0,3 Mio. Barrel pro Tag zurückfahren      
  • politische Risiken in wichtigen Ölförderländern
  • Annäherung im Handelsstreit zwischen China und den USA      

– preisdrückende Faktoren

  • Ölmarkt nach wie vor sehr gut versorgt
  • Handelsstreit zwischen China und USA    
  • Erste Anzeichen einer globalen Wirtschaftsschwäche
  • Boomende US-Schieferölindustrie      
  • permanente Steigerung der Energieeffizienz