Ölmarkt-Analyse November 2018

Gepostet am 20. Nov. 2018 in News

So schnell kann sich das Blatt wenden oder der Markt sich drehen!

Noch Ende September bzw. Anfang Oktober sprangen Investmenthäuser und Ölmarkt-Analysten gleich reihenweise aus dem Gebüsch, um Rohölpreise jenseits der 100-Dollar-Marke zu prognostizieren. Eine ausreichende Versorgung mit Öl- und Ölprodukten schien nicht mehr sicher zu sein.
Tatsächlich kamen die von OPEC und Co. beschlossenen Fördererhöhungen nur recht langsam am Markt an und die sanktionsbedingten Lieferausfälle aus dem Iran wurden zwischenzeitlich immer größer.
Dies in einer Zeit, in der die globalen Ölbestände auf ein relativ niedriges Niveau heruntergefahren wurden, um die Ölpreise aus dem Tief der Jahre 2015 bis 2017 herauszuführen.
Doch bereits in der letzten Ausgabe unseres Newsletters stellten wir die Prognose auf, dass die Öl-Futures Anfang Oktober schon den höchsten Stand des Jahres gesehen haben und wir hatten damit wohl erfreulicherweise Recht.
Dass es allerdings so schnell und vor allem so steil nach unten gehen würde, hatten auch wir nicht erwartet.
Mittlerweile stehen die Rohölpreise der für Europa maßgebenden Sorte „Brent“ auf dem niedrigsten Stand seit April diesen Jahres, US-Öl „West Texas Intermediate“ hat kürzlich sogar ein neues Jahrestief markiert!
Was hat nun zu dieser Kehrtwende um 180 Grad geführt?
Wie so oft im Leben, sorgt man sich zeitig um Dinge, die dann beim Eintritt gar nicht so schlimm sind, wie befürchtet. So in etwa ging es dem Ölmarkt mit den Iran-Sanktionen, die lange bekannt und nun vollständig umgesetzt sind.
OPEC und Co. hatten darauf rechtzeitig reagiert und beschlossen, die Fördermengen mehr oder weniger freizugeben , um die erwarteten Mindermengen aus dem Iran ausgleichen zu können.
Dies dauerte zwar ein paar Monate, letztendlich gingen die Produktionsmengen aber dann doch deutlich nach oben.
Vor allem Saudi-Arabien, Russland und der Irak pumpen derzeit auf Rekordniveau, aber auch in den großen afrikanischen Förderländern Nigeria und Libyen läuft das Ölgeschäft derzeit relativ störungsfrei.
Hinzu kommt natürlich der stetige Ausbau der us-amerikanischen Schieferölindustrie.
Derzeit liefern sich die USA ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Russland, wenn es um den Titel „größter Ölproduzent der Welt“ geht.
Die Zahl der aktiven Ölanlagen in Nordamerika  geht stetig nach oben und so muss man kein Prophet sein um vorhersagen zu können, dass es hier bald einen eindeutigen Sieger geben wird.
Auch China hat angekündigt, künftig die eigene Ölproduktion durch Fracking erhöhen zu wollen.
Die von den USA im Bezug auf die Iran-Sanktionen in Aussicht gestellten Ausnahmen fielen zudem großzügiger aus, als dies zunächst allgemein erwartet wurde.
Neben China und Indien, die ja zu den größten Abnehmern iranischen Öls gehören, dürfen künftig auch noch sechs weitere Länder in begrenztem Umfang Ölgeschäfte mit Teheran machen, darunter Japan, Südkorea und die Türkei.
Jetzt sind die Iran-Sanktionen in Kraft und die Versorgungslage ist so gut wie seit Monaten nicht mehr!
Was sich in den letzten Wochen bei den Ölhändlern allerdings nicht verändert hat, ist die Sorge um die Entwicklung der globalen Konjunktur und somit die Öl-Nachfrage.
In den jüngsten Monatsberichten der Internationalen Energieagentur (IEA), der OPEC und des US-Energieministeriums (EIA) wurden die Prognosen hier zuletzt erneut leicht zurückgenommen.
Hier geht man unisono davon aus, dass der Ölmarkt in den nächsten Wochen und Monaten in eine Überversorgung hineinsteuern wird, was natürlich in der OPEC die Alarmglocken läuten läßt.
Dass das Kartell beim nächsten offiziellen OPEC-Treffen am 6. Dezember in Wien einen Strategiewechsel hin zu Förderkürzungen anstreben wird, dürfte klar sein.
Fraglich ist nur, ob wieder alle am Abkommen beteiligte Länder mit ins Boot geholt werden können und wie hoch die Kürzung dann letzendlich ausfallen wird. Russland hatte sich hier zuletzt sehr zurückhaltend geäußert.
Daher ist eine Prognose über den weiteren Verlauf der Rohölpreise derzeit äußerst schwierig.
Wir gehen aber davon aus, dass die Luft nach oben in den nächsten Wochen eher dünn bleiben wird.

 

+ preistreibende Faktoren  
  • OPEC und Co. streben Förderkürzungen an
  • Krise in Venezuela
  • politische Risiken in wichtigen Ölförderländern
  • robuste globale Nachfrage
– preisdrückende Faktoren   
  • Ölmarkt steuert auf Überversorgung zu
  • Handelsstreit zwischen China und USA
  • sich abschwächendes globales Wachstum
  • Boomende US-Schieferöl-Industrie
  • permanente Steigerung der Energieeffizienz