Ölmarkt-Analyse April 2019

Gepostet am 17. Apr. 2019 in News

Vor rund vier Wochen war unsere Nachricht an Sie: „Die OPEC hat den Ölmarkt weiter gut im Griff“.  Gemeint war damit die hohe Disziplin der am Förderabkommen beteiligten Länder, die seit Dezember letzten Jahres teilweise sogar deutlich unterhalb den festgelegten Quoten produzieren und somit das Angebot stark begrenzen. 
Die Folge dieser Politik lässt sich sehr schön an der Entwicklung der Rohölpreise der letzten Wochen und Monate ablesen.

Aber nicht nur die mehr oder weniger planmäßigen Einschränkungen machen dem Ölmarkt derzeit zu schaffen. Auch unvorhergesehene politische Ereignisse schränken das Angbot derzeit weiterhin stark ein.
So weiten die USA die Sanktionen gegen Venezuela  Schritt für Schritt aus, sodass das einst größte Ölförderland Südamerikas wohl bald nur noch gut 500.000 Barrel pro Tag auf den Markt bringen kann.  Vor einigen Jahren lag der Ausstoß im Land mit den mit Abstand größten Ölreserven der Welt noch bei über zwei Millionen Fass pro Tag, bevor die politische Krise das Land und die Wirtschaft lähmte.
Auch die im Herbst letzten Jahres von der US-Regierung erteilten  Ausnahmeregelungen für Länder, die bislang nicht auf die Ölimporte aus dem Iran verzichten konnten, werden in diesen Tagen neu verhandelt und teilweise nicht verlängert, sodass auch von dort weniger Öl am den Markt kommen wird.
Und seit rund zwei Wochen gibt es ein neues großes Problem auf der Angebotsseite. Libyen , das erst kürzlich die Produktion aus dem Sharara-Ölfeld wieder spürbar steigern konnte,  droht von einem neuen Bürgerkrieg heimgesucht zu werden, der sich schon bald auch auf die Ölexporte des Landes auswirken könnte.  General Halfar , der seit geraumer Zeit den Osten des Landes kontrolliert, sich bisher aber loyal zur Regierung in Tripolis gezeigt und mit seinen Truppen erst kürzlich das wichtigste Ölfeld des Landes von Rebellen befreit hat, will nun gewaltsam auch den Rest des Landes kontrollieren.  Da es hier auch sehr viele Verflechtungen und Einmischungen von außen gibt, droht ein Gewaltspirale und auch eine humanitäre Katastrophe, ähnlich wie in Syrien.
Leider zeigt sich immer wieder, dass der Reichtum an Bodenschätzen, vor allem in Ländern mit einer unstabilen Demokratie, nicht zu Wohlstand und Investitionen, sondern eher zu Armut und Ausplünderung führt. Die Liste der Beispiele ist lang: Venezuela, Libyen, Nigeria, Angola, Iran, Irak, Saudi-Arabien etc.  Er verleitet die politischen Machthaber, die Kontrolle über die Einnahmen zu erlangen um sich selbst zu bereichern. Nötige Investitionen in andere Wirtschaftszweige und in die Infrastruktur bleiben aus, sodass die Länder den Anschluss verlieren und in Folge immer ärmer werden. Rebellion und Aufstände sind die logische Konsequenz.
Zudem zeigen sich erste Bremsspuren in der US-Schieferölindustrie . Die Produktionszahlen für April mussten erst in diesen Tagen nach unten korrigiert werden und die Zahl der angebohrten, aber noch nicht fertig erschlossen Ölquellen stagniert.
Warum die Ölpreise derzeit nicht noch stärker nach oben streben liegt hauptsächlich an der Sorge, dass sich die globale Wirtschaft schon bald weiter abschwächen könnte .  Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat die Wachstumsprognose in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal reduziert und warnt vor erheblichen Abwärtsrisiken.  Auch wenn sich die Nachfrage nach Öl und Ölprodukten derzeit noch sehr stabil zeigt, könnte diese in Falle einer Wirtschaftskrise sehr schnell zurückgehen.
Solange hier aber alles nach Plan läuft, rechnen wir nicht mit einem deutlichen Rückgang der Rohölpreise , vor allem auch, weil das Förderabkommen nun frühestens erst Ende Juni neu verhandelt werden soll.  Bis dahin dürfte sich also an der angespannten Versorgungslage nur wenig ändern.

+ preistreibende Faktoren

  • OPEC und Co. halten Förderkürzungen bis mindestens bis Ende Juni aufrecht
  • US-Sanktionen gegen Venezuela und Iran
  • Drohender Bürgerkrieg in Libyen    
  • Handelsstreit zwischen China und den USA kurz vor Beilegung
  • Ölverbrauch in China und Indien steigt weiter deutlich an       

– preisdrückende Faktoren

  • Schwache globale Konjunkturentwicklung    
  • Boomende US-Schieferölindustrie
  • Zusätzliche Mengen aus Kanada 
  • permanente Steigerung der Energieeffizienz